Erfahrung mit Gebet

Ich möchte gern etwas über meine Erfahrung mit dem persönlichen Gebet und geistlicher Literatur schreiben, meine eigene Erfahrung wie auch in meinen Jahren als Seelsorger. Ich bin in einer recht katholischen Familie aufgewachsen, wir haben jeden Sonntag und manchmal auch während der Woche die Hl. Messe mitgefeiert. Zuhause wurde Rosen-kranz gebetet so wie Tischgebet vor dem Essen usw. In meiner Familie waren der Glaube und das Gebet ganz selbstverständlich. Wirklich gefruchtet für mich haben sie aber erst dann, als ich gelernt habe, persönlich zu beten, und meine Situation, aktuellen Wünsche, Aufgaben und Heraus-forderungen ins Gespräch mit Gott zu bringen, danach zu suchen, was Gott von mir will, wie er mir gerade helfen kann, und wo ich im Leben mit Jesus Hilfe und Motivation finden kann.

Der Anlass war für mich ein ganz zufälliger. Ich habe ein Büchlein über das Glaubensleben, über geistlicher Betrachtung und Gebet in die Hand genommen, und habe angefangen zu lesen. Die Frucht war innerhalb eines Monats schon zu sehen, nicht nur von mir, sondern auch von meinen Eltern: im Bereich von Selbstdisziplin, Verantwortung, Fleiß, und Geduld. Meine Eltern hatten trotzdem gewisse Schwierigkeiten mit mir, ihrem pubertierenden Jungen, doch die Frucht des neuen Gebetslebens war nicht zu übersehen.

Auch als Seelsorger habe ich ähnliches in den Pfarrgemeinden erlebt, wo ich in den letzten acht Jahren gewirkt habe. Davon ein Beispiel: ein Mensch der so wie ich, im katholischen Milieu aufgewachsen ist, nahm wie viele andere an den gebräuchlichen kirchlichen und christlichen Feiern, der Besuch der Hl. Messen, die Umzüge zu Fronleichnam, Martinstag, usw. Er meinte, es fehlt ihm eigentlich nichts im Glaubensleben und ist auch nur zufällig dazu gekommen, anders noch etwas zu versuchen und zu erleben. Auch in diesem Fall hat der Übergang von einer selbstverständlichen Praxis der christlichen Gebräuche zu einer ganz persönlichen Entwicklung viel gebracht, insbesondere zu mehr Gelassenheit, Zufriedenheit und letztendlich zum Glück geführt.

Der spirituelle Weg mit Gott ist immer ein persönlicher, doch wirkt Gott auch durch verschiedene Werkzeuge: geistliche Literatur, Personen mit Erfahrung im Gebet, eine Ge-meinschaft, die einander im geistlichen Leben unterstützt. Wer mehr von seiner Beziehung mit Gott möchte, der etwas dafür tun möchte, den unterstütze ich gerne als Seelsorger mit meinem Rat oder im Rahmen eines geistlichen Gesprächs. Auch in der Pfarrgemeinde werden wir heuer Exerzitien im Alltag anbieten, eine bewährte Form, das Gebetsleben und die Beziehung zu Gott zu stärken. Mehr dazu in einer kommenden Zeitungsausgabe.

Denn dort, wo die persönliche Erfahrung mit Gott wertgeschätzt und gefördert wird, wo dem persönlichen Gebet Raum gegeben wird, blüht die Kirche auf!

Euer
Pfarrer Joseph

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